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Willkommen im Dorf


  
"Willkommen im Dorf", seit 2014 eine der ältesten Flüchtlingsinitiativen in Deutschland, eine Initiative der Evangelischen Kirchengemeinde, die von vielen Jugenheimern unterstützt wird, um Flüchtlingsfamilien, die bei uns wohnen, nicht nur individuell zu betreuen, praktisch zu unterstützen und materielle Hilfe zu leistet, wo es notwendig ist, sondern gleichzeitig auch die einheimische Bevölkerung über die politische Situation in den Herkunftsländern und die Flucht informiert, um so für Verständnis zu werben, dass es notwendig ist, dass wir diese Menschen bei uns aufnehmen.
 
Die Evangelische Kirchengemeinde hat ein Spendenkonto eingerichtet, bei dem Spendenbescheinigungen ausgestellt werden können:
Sparkasse Worms-Alzey-Ried,
IBAN: DE57 5535 0010 0004 0080 18,
BIC: MALADE51WOR,
Stichwort "Flüchtlinge Jugenheim".
 
Die Initiative sucht "Paten", die sich ehrenamtlich um die Integration der Familien kümmern, die Flüchtlinge besuchen und mit ihnen sprechen oder beispielsweise Kindern bei den Hausaufgaben helfen. Dringend gesucht werden Wohnungen für Flüchtlinge, die die Verbandsgemeinde Nieder-Olm anmietet.
Kontakt Jörg Kandulla, 06136-69121, joerg.kandulla@vg-nieder-olm.de
 
 
Information zur Initiative "Willkommen im Dorf" in Jugenheim in Rheinhessen
 
Die Evangelische Kirchengemeinde in Jugenheim, ein kleines Dorf mit 1.600 Einwohnern in Rheinhessen, war Ende 2014 gezwungen ihr Pfarrhaus zu veräußern. Um zu verhindern, dass Grundstücksspekulanten auf dem boomenden Immobilienmarkt im Rhein-Main-Gebiet aus der Notlage der Kirchengemeinde ein Schnäppchen machen, knüpfte der Kirchenvorstand den Verkauf des Pfarrhauses und eines dazugehörigen Gemeindehauses an eine Zweckbindung, eine soziale oder gemeinnützige Nutzung.
 
Der Landkreis Mainz-Bingen kaufte und renovierte das denkmalgeschützte Anwesen, richtete im ehemaligen Pfarrhaus drei große Wohnungen ein und im ehemaligen Gemeindesaal vier Ein-Zimmer-Apartments, um Geflüchtete unterzubringen. Dazu gehören ein großer Innenhof, der sich inzwischen zu einem Treffpunkt für Bürger und Geflüchtete entwickelt hat und der Pfarrgarten, in dem die Flüchtling Kräuter und Gemüse anpflanzen können. Zusätzlich hat die Verbandsgemeinde Nieder-Olm im Dorf mehrere Wohnungen für Geflüchtete angemietet. Damit ist eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration der Flüchtlingsfamilien gegeben: Wohnen mitten im Dorf - und nicht abgeschoben irgendwo am Rand in Containern.
 
Der Vorstand der Evangelischen Kirchengemeinde sah sich nach dem Verkauf seines Pfarrhauses in der Verantwortung gegenüber den Menschen, die jetzt im Dorf wohnen. Niemand hatte damals Erfahrung bei der Betreuung von Geflüchteten. Auch für Ämter und Behörden war die Situation neu. Damit unterschied sich Jugenheimer beim Start in nichts von Initiativen wie sie in anderen Dörfern entstanden sind.
 
Inzwischen leben in Jugenheim rund 50 Geflüchtete aller Altersstufen aus Syrien, Armenien, Irak und Afghanistan. Darunter sind "Kontingentflüchtlinge" mit Aufenthaltsduldung und Asylantragsteller.
Die Initiative "Willkommen im Dorf" arbeitet bei der Betreuung der Geflüchtete ehrenamtlich. Auf dem Land gibt es - im Gegensatz zu Großstädten - keine hauptamtlichen Strukturen für die Betreuung. Uli Röhm, Mitglied des Kirchenvorstandes, koordinieren die Arbeit.
 
 
 
Die Initiative hat sich drei Ziele gesetzt: 
 
1. die individuelle Betreuung und praktisch Unterstützung der Flüchtlingsfamilien, nicht nur materiell, sondern vor allem mit viel Zeit für persönliche Kontakte.
2. Integration der Geflüchtete durch Treffen und Veranstaltungen mit der einheimischen Bevölkerung und Einladungen in die Vereine.
3. Information über die politische Situation in den Herkunftsländern und die Fluchtursachen, um Verständnis zu schaffen, diese Menschen bei uns aufzunehmen und Aufklärung über rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen.
 
Für jede Flüchtlingsfamilie gibt es einen "Paten" der Kontakt hält und "seine" Familie regelmäßig besucht. Daneben besteht ein erweiterter Kreis aus den örtlichen Vereinen, an die sich die Paten wenden, wenn sie unterstützende Hilfe brauchen. Die Unterstützer stammen aus allen Altersstufen und allen gesellschaftlichen Bereichen, politische oder kirchliche Herkunft oder Zugehörigkeit spielen keine Rolle.
 
Daneben gibt es ein Netzwerk mit Sprachkundigen, die im Bedarfsfall über Handy angerufen werden können und mit Hilfe der Lautsprecherfunktion übersetzen.
Darüber hinaus gibt es auch Aktionen zur Integration und dem gegenseitigen Kennenlernen. Unter dem Motto "Integration geht durch den Magen" haben beispielsweise die Geflüchteten Kulinarisches aus ihrer Heimat zubereitet und die Jugenheimer Bevölkerung eingeladen. Oder es wurde gemeinsam gegrillt, organisiert von der Jugenheimer Kulturinitiative.
 
Bei der Gründung der Initiativen gab es ein weiteres wichtigstes Ziel: Die Initiatoren wollten sich so schnell wie möglich überflüssig machen und so schnell wie möglich wieder auflösen. Dieses Ziel wurde bisher verfehlt.
 
Die Evangelische Kirchengemeinde stellt ihren Gemeindesaal zur Verfügung. Hier finden Beratungen für Geflüchtete, Treffen der Initiative und ein ehrenamtlich organisierter Deutschunterricht für Asylantragsteller statt, die darauf keinen Rechtsanspruch haben.
 
 
Integration über die Kleinsten - ganz groß
 
Was auf der Berliner politischen Bühne zu Integration und Bildung im Moment erst diskutiert wird, passiert in dem kleinen rheinhessischen Dorf bereits erfolgreich: die Vermittlung der deutschen Sprache und die Integration von Kindern Geflüchteter zusammen mit einheimischen deutschen Schulkindern. Eine gemeinsame und für die Familien kostenlose Hausaufgabenbetreuung und Lernförderung.
 
Entstanden ist die Idee bei Sabine Klein, als immer wieder der Vorwurf - nicht offen, aber versteckt hinter vorgehaltener Hand - zu hören war "die kümmern sich nur um die Flüchtlinge und wir bleiben auf der Strecke".
 
Deshalb gibt es montags von 17 bis 18:30 Uhr und freitags von 15 bis 16:30 Uhr die Lernförderung mit sechs qualifizierten Pädagogen in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Einige der Lehrer haben bereits in ähnlichen Projekten mitgearbeitet, aber dabei nur Einzelunterricht erteilt. Das Jugenheimer Konzept, gemeinsames Lernen von Einheimischen und Flüchtlingskindern, hat für sie den Ausschlag gegeben mitzumachen. Denn hier wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern gleichzeitig über die Kinder Integration praktiziert - und zwar erfolgreich.
 
Das gemeinsame Lernen von Deutschen und Flüchtlingskindern sollte ursprünglich Vorurteile widerlegen, und hat dann ergeben, dass es gerade das gemeinsame Lernen ist, das sich als besonders effektive Form der Integration herausgestellt hat, das den Erfolg bringt. Kinder lernen voneinander und die Integration von Kindern über Kinder in die Familien ist erfolgreich.
 
Der Jugenheimer Bürgermeister Herbert Petri war von Beginn an von dem Konzept und der Idee begeistert und hat das Projekt unterstützt und sich dafür eingesetzt, dass es aus Mitteln der Integrationspauschale finanziert wird. Die evangelische Kirchengemeinde stellt auch hier im Gemeindehaus Hintergasse 19 in Jugenheim die Räumlichkeiten zur Verfügung.
 
 
"Mit Energie haushalten - Geld sparen"
 
Großen Anklang fand ein 12-seitiger Informationsflyer für Geflüchtete "Mit Energie haushalten - Geld sparen" in den Sprachen, Arabisch (Syrien), Dari (Afghanistan), Farsi (Persien) und Englisch. Das Interesse war so groß, dass alle der über 200.000 gedruckten Exemplare inzwischen vergriffen sind, leider. Er ist aber als Download unter https://menschen-wie-wir.ekhn.de/unterstuetzen/willkommen-im-dorf.html. zu finden.
Diese Internetseite kann verlinkt und kostenfrei veröffentlicht werden. Änderungen oder die Verwendung einzelner Illustrationen bedürfen allerdings der Zustimmung der Initiative, denn die Copyright-Rechte liegen bei der Grafikerin Eva Giovannini.
 
Ebenfalls auf dieser Seite findet man eine Arbeitshilfe zur Unterstützung und Ermutigung beim Aufbau ähnlichen ehrenamtlichen Engagements auf dem Land als praktische Handlungsanleitung mit den Jugenheimer Erfahrungen zur Integration von Geflüchteten.
  
Kontakt:
Uli Röhm
uli.roehm@ekhn.de